in a bed way

Zwei Tage zur Fiktion der Funktionalität


Schreiben im Bett. Lesen im Bett. Schlafen im Bett. Im Bett weinen. Im Bett einen Kuss auf die Stirn bekommen. Im Bett vergessen werden. Und so weiter. In einer zweitägigen Veranstaltung präsentieren wir - 15 Studierende des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien - unsere Arbeiten, die von und teilweise über chronische Krankheit geprägt sind. Wir sind eine Gruppe von Menschen mit und ohne persönliche Erfahrung mit chronischer Krankheit, die an einem Seminar unter der Leitung von Dramatiker*in und literarische*r Sachbuchautor*in Kay Matter teilgenommen haben. Gemeinsamer Ausgangspunkt für die künstlerischen Beiträge zum Festival war das Bett als ambivalenter Ort, an dem viele körperlich und/oder psychisch kranke Menschen einen großen Teil ihrer Zeit verbringen.


Sprachen Diverse

Mit Studierenden des Institut für Sprachkunst an der Angewandten Wien (Sanja Anđelković, Laura Anton, Marie Beckmann, Fred Heinemann, Sara Karimi, Hel Proißl, Jo O’Brien, Konstantin Milena Vlasich, Ralf Petersen, Sanea Hertlein, Deborah Lara Schaefer, Valerie Prinz, Valerie Zichy und Leonie Ziem) sowie Dozent*in Kay Matter

---

Zugang

Bitte beachten Sie:
MASKEN: Da immungeschwächte Personen anwesend sind, bitten wir alle, die können, eine Maske zu tragen. (Masken werden zur Verfügung gestellt)

Rollstuhl-Zugang: Das Theater ist über einen Aufzug hinter dem Haus zu erreichen. Bitte melden Sie sich an der Kasse, wenn Sie dort sind, damit Sie begleitet werden können (+41 44 267 64 64 / 078 6099342). Die Bühne ist ebenfalls rollstuhlgängig (leider nicht ganz, aber Sie können an allen Vorträgen teilnehmen).

Einige der Präsentationen werden an den Veranstaltungstagen online zugänglich gemacht.

SITZPLÄTZE: Sie haben die Wahl zwischen normalen Sitzen, Sitzsäcken und Kissen auf dem Boden. Sie können frei wählen und sich jederzeit bewegen.

Das Betreten und Verlassen der Veranstaltung ist jederzeit möglich.

Eine ausführliche Zugangsbeschreibung zu den einzelnen Programmpunkten finden Sie HIER.

---

Detailprogramm

Türöffnung: eine halbe Stunde vor Beginn
Freitag: 18:00 - 21:30 Uhr (Türöffnung: 17:30 Uhr)
Samstag: 12:00 - 15:30 Uhr (Türöffnung: 11:30 Uhr)

---

Durchgängig (Foyer)
Wellness Diaries (AT)
Sanea Hertlein
Videoarbeit im Loop

Seit der Covid-Pandemie ist das Konzept der Wellness in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins gerückt. Gesundheit ist zu einem Lebensstil geworden, und die Selbstoptimierung zur täglichen Routine. Vom Training im Fitnessstudio bis zu Hautpflegeritualen, von grünen Säften bis zu Online-Trends. Getarnt als Selbstfürsorge wird sie uns als die Lösung für unsere Erschöpfung verkauft, die aus genau dem System stammt, das uns auslaugt. «Wellness Diaries» setzt sich kritisch mit dem Wellness-Kult und der Rolle des Körpers darin auseinander. In einer Welt, in der Ruhe nur dann erlaubt ist, wenn sie der Produktivität dient, wird der Körper sowohl zum Projekt als auch zum Produkt. Wellness-Trends, die oft als ermächtigend dargestellt werden, drehen sich um körperliches Aussehen und Funktion. Sie verlangen eine bestimmte Art von Körper - einen disziplinierten, fähigen und funktionierenden - als Voraussetzung für Zugehörigkeit. «Wellness Diaries» ist eine kritische Selbsterforschung darüber, was es bedeutet, einen Körper in einer Kultur zu bewohnen, die verspricht, dass Heilung uns krank macht.

---

Fr. 18:00 / Sa. 12:00
I recently saw a picture of my brain
von Sara Karimi
Dramaturgie: Alireza Khosroabadi

Sprache: Englisch
Dauer: 15 - 20 Minuten

Sonntag, 30. Juli 2023, 23:30 Uhr.
Ich nahm meinen Nasenring ab und liess mich von einem Mann mit Zwiebelatem in das MRT-Gerät schieben.
Es fühlte sich an wie in einem einsitzigen Flugzeug, in dem das Schlucken des eigenen Speichels verboten ist.

Dies ist der Anfang der Vorstellung. Oder das Ende. Oder beides. Und dazwischen beginne ich, die Metapher der Krankheit chronisch zu spielen.
Durch persönliche Erzählungen, Geschichte und Vorstellungskraft lerne ich, humpelnd um meine Krankheit herumzugehen, eine krumme Choreografie, die mich mit vielen anderen verbindet, im Raum oder außerhalb davon.

---

ca. Fr. 18:20 / Sa. 12:20
kleiner Menstruationsgesang (Mediathek)
Valerie Zichy
aufgezeichnete Gedichte

Sprache: Deutsch
Dauer: 5 Minuten

---

ca. Fr. 18:25 / Sa. 12:25
Kunstpause (Mediathek)
Kollektiv Wien: Leonie Ziem + Valerie Prinz + Fred Heinemann
Hörspiel

Sprache: Deutsch
Dauer: 15 Minuten

Das Hörspiel «Kunstpause» spielt 11 000 Meter unter dem Meer auf einem U-Boot. Das U-Boot ist so etwas wie ein Großraumbüro, in dem so etwas wie Versicherungen verkauft werden. Eine Versicherung: eine Wette darauf, was gut gehen wird. In einem System, das nicht by deafault, sondern by design die Fiktion der Funktionalität vor sich hertreibt, statt sich auf die Needs der Menschen einzulassen. Dort, auf den U-Boot, pardon, Großraumbüro, entscheidet sich ein Angestellter, nicht mehr zu arbeiten und beharrt darauf, dass es sich um eine Kunstpause handelt. Um das U-Boot herum sind die Kraken, am klopfen, am treiben, am hoffen.Und die einzigen, die noch die richtigen Fragen stellen: Warum sind Leben unterschiedlich viel wert?

---

ca. Fr. 18:40 / Sa. 12:40
A Place Out of Time
Jo O`Brien
Vorgetragener Text & Videoprojektionen
Lesende : Hanna Donald, Cornelia Dexl

Sprache: Englisch
Dauer:

«A Place Out of Time» ist eine Performance-Installation, die Beziehungen und Momente der Fürsorge mit der Arbeit des Unwohlseins verknüpft. Durchgeschleifte Erzählungen und kurze Vignetten laden den Zuschauer ein, nach Belieben hinzukommen und wieder zu gehen - einem Gedanken oder einer Erinnerung zu folgen, sich wieder zu entfernen und ohne Rücksicht auf Kontinuität zurückzukehren.

---

(20 Minuten Pause)

---

ca. Fr. 19:30 / Sa. 13:10
Kleiner/Sprach/Tod
Konstantin Milena Vlasich
Vorgetragener Text, Lesung mit Looper

Sprache: Deutsch / Burgenland-Kroatisch
Dauer: 15 Minuten

«Kleiner/Sprach/Tod» ist die Annäherung des Autors an das Ableben eines lieben Freundes. Es enthält poetische Teile und Live-Tonschemata. Bezüge zu Leichenreden sind beabsichtigt. Der Text ist sowohl auf Deutsch als auch auf Burgenlandkroatisch, einer Minderheitensprache, die in Ostösterreich, Westungarn und der Slowakei gesprochen wird.

---

ca. Fr. 19:40 / Sa. 13:40
pfuschen und siechen
Laura Anton + Helene Proißl

Sprache: Deutsch/Dialekt
Dauer: 10 - 15 Minuten

Ist das Pfuschen 1 Art Überlebenspraxis? Eine (notwendige) Mogelei, um 1 Körper im Leben/auf der Welt zu halten, sich wiederholt mit scheinbar zweifelhaften Mitteln einer Öffentlichkeit vorzuschlagen?

Wie lässt es sich halten mit dem Zweifelhaften? Wie umgehen mit Sterbenswörtchen? Dialekt? Den argen Wörtern, aus der Hochsprache verbannt, weil zu gesteigert, zu typisierend, zu „unfein“. Deppat, dump, malad, abmurksen, Murks, Pfusch.

Lautmalen werden wir hier & auch einen Schwank erzählen. Wir unterhalten (uns) mit schlechten Wörtern & sitzen dabei dem biederen Diwan auf.

---

PAUSE 20 Minuten

---

ca. Fr. 20:20 / Sa. 14:20
Sick Girls/Sad Girls (WT)
Marie Beckmann
Lecture Performance

Sprache:
Dauer: 15 - 20 Minuten

SICK GIRLS SAD GIRLS ist eine Rückbesinnung. 
Das Sad Girl als Kulturphänomen der 2010er Jahre ist Teenager Epos in Zimmer & Zelle: Sickbed, Wehklagen, Internet. Das Leiden beginnt.
Sick Girl in der Realität ist Insomnia: Isolation, Depression, Kunst. Das Leiden hält an. 
Sick Girls zum Schluss heißt schließlich und endlich hier Traktat Über Die Scham Des Materials Ergibt Weder Material Noch Widerstand Sondern Summa Summarum Traktat Genannt Von Herzen Objektverlust: Ich, Wort, Tod. 

---

ca. Fr. 20:40/ Sa. 14:40
The Escape of Attempt
Ralf Petersen
Szenische Lesung

Sprache: Deutsch
Dauer: 10 - 15 Minuten

Beschrieben wird ein Ausbruchsversuch bzw. ein Versuchsausbruch. 
Experimentelle Anordnung am konkreten Beispiel eines historischen Falls.

---

Fr. 20:35 / Sa. 14:35
MARS PLAY (Mediathek)
Monolog vom Ende
Deborah Lara Schaefer, Sanja Anđelković und Melina Pyschny
Monodrama mit Fantasyelementen
Live-Performance im Raum

Language: German, English, Serbian (different languages)
Duration: 30 Minutes

«MARS PLAY» ist eine schweizerisch-osteuropäische Charakterstudie, die einen Raum bietet, um den Schmerz auszuhalten. Der Monolog besteht aus drei Liedern, die sich mit den Auswirkungen einer undefinierten Krankheit befassen, einem menschlichen Organismus, der versucht, die Geschichte zu entgiften.

Mila ist eine 33 Jahre alte serbische Schauspielerin. Ihre Performance stellt die Krankheit des entfesselten Spätkapitalismus sowohl im schweizerischen als auch im osteuropäischen, postjugoslawischen Kontext dar. In physischer und musikalischer Form will das künstlerische Trio die Diskussion über revolutionäre Pflegepraktiken bereichern und Fragen rund um den Begriff der Heimat als Nostalgie aufwerfen.

Wie sollte ein Mensch sterben? Welche Würde ist im Sadismus zu finden? Woran soll man sich festhalten, wenn man kurz davor ist, alles zu verlieren?